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Der elektronische Rundbrief der Landesgruppe

Ausgabe Nr. 1/2010, Februar 2010
 
Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

versehen mit den besten Wünschen für 2010 erreicht Sie heute der erste E-Brief dieses Jahres.

Er ist gekennzeichnet von Aus- und Rückblicken. Mitte des Jahres läuft unsere Amtszeit aus, und wir schauen zurück auf unsere Aktivitäten 2009 und freuen uns auf die verbleibenden Vorhaben in diesem Jahr.

Bitte merken Sie sich schon das Datum für den nächsten Landespsychologentag vor: 10. Juli 2010.

Ebenfalls gesondert hinweisen möchten wir Sie auf den "3. Existenzgründungs- und Existenzsicherungstag" am 13. März 2010 in Stuttgart, der unter der Schirmherrschaft der Landesgruppe stattfindet.

Folgende Themen finden Sie in diesem E-Brief:

   1. Ein Rückblick: Die Aktivitäten der Landesgruppe 2009
   2. Wahlen zur Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg 2009: Ergebnisse und nächste Schritte
   3. Die Delegiertenkonferenz  - Einladung zur Mitarbeit im höchsten Organ des BDP
   4. Vorstandsmitglied Elisabeth Noeske berichtet von den Projekten in der Sektion Klinische Psychologie
   5. Ein Ausblick: Die Pläne der Landesgruppe 2010 - Existenzgründungs- und Landespsychologentag sowie MV mit Vorstandswahlen
   6. Anfrage des Landessportbundes: Mitwirkung an ei­nem Projekt der "Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg"
   7. Veröffentlichungen von Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsför­derung und Robert-Koch-Institut
   8. Aufruf des ZPID zur Teilnahme an einer Online-Befragung
   9. Termine
 
Mit freundlichen kollegialen Grüßen

der Vorstand Ihrer BDP-Landesgruppe Baden-Württemberg


1.  Ein Rückblick: Die Aktivitäten der Landesgruppe 2009

1.1  Landespsychologentag in Stuttgart

„Familie heute – Auslaufmodell oder Chance für die Zukunft?“ war das Motto unseres gut besuchten Landespsychologentages, der am 20. Juni  in Stuttgart stattfand, wieder wie in den Vorjahren als Präsentationsforum, bei dem erfahrene Kollegen und Kolleginnen ver­schiedene Themenblöcke im Hauptreferat und in zehn Workshops vorstellten.

Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Christoph Käppler (Ludwigsburg) – „Familie heute – was kann die Familienpsychologie zum Verständnis und gelingender Berufspraxis beitra­gen?“

Das Thema des Tages haben wir in Anlehnung an den letztjährigen Bericht des BDP gewählt („Familien in Deutschland – Beiträge aus familienpsychologischer Sicht“). Am Vor- und Nachmittag wurde in insgesamt 10 Workshops eine große Bandbreite familienpsychologi­scher Fragestellungen behandelt.

Informationen über den Landespsychologentag finden Sie auf unserer Website (über die Seite „Aktuelles“ bzw. das Archiv 2009; das benötigte Passwort können bei der Landes­gruppe erfragen).


1.2  Bundestagswahl und Wahlprüfsteine des BDP

Die Landesgruppe beteiligte sich am Projekt des Verbandsvorstands anlässlich der Bun­destagswahl im September, „Wahlprüfsteine 2009“. Kandidaten und Kandidatinnen ver­schiedener Parteien wurden in Baden-Württemberg angeschrieben und gebeten, auf ausge­wählte Fragen aus den BDP-Wahlprüfsteinen zu antworten.

Die eintreffenden Antworten haben wir Ihnen umgehend auf unserer
Website zur Verfügung gestellt. Wir erhielten acht Antworten vor und eine Antwort nach der Wahl.


1.3  Mitgliederversammlung

Am 20. Juni 2009 fand unsere Mitgliederversammlung statt. Es wurden Nachwahlen not­wendig, nachdem Roland Raible und Christine Geyer zurückgetreten waren.

Es wurden Elisabeth Noeske und Barbara Humbert in den Vorstand gewählt. Elisabeth Noeske wurde außerdem als Ersatzdelegierte gewählt.

 
1.4   Medientraining

Am 24. Januar 2009 lud die Landesgruppe nach Stuttgart zu einem eintägigen Medientrai­ning unter der Überschrift „Psychologinnen und Psychologen als Experten in der Presse, mit dem Mikrophon und vor der Kamera“ ein.

Als Referentin fungierte Christa Schaffmann, die Pressesprecherin des BDP und Chefre­dakteurin von „Report Psychologie“. Praxisnah wurde in Interviews und Talkrunden die Arbeit mit Medienvertretern geübt. Auch wer sich nur schlau machen wollte, wie seine eigenen be­ruflichen Themen über die Presse bekannt gemacht werden können, erhielt wertvolle Tipps vom Profi.

Schade ist, dass nur 12 Teilnehmer und Teilnehmerinnen unserer Einladung gefolgt sind, das Training war für alle Landesgruppen-Mitglieder offen. Die Teilnehmenden gaben eine positive Rückmeldung und sind nun bestens gerüstet für Interviews, wenn wieder einmal das Wissen von Psychologinnen und Psychologen gefordert wird. Einen Bericht über das Trai­ning finden Sie auf unserer Website.


1.5  Sonstiges

Wir freuen uns über die aktiven Regionalgruppen / Stammtische in Freiburg, in Schorndorf im Rems-Murr-Kreis und in Karlsruhe. Die kollegialen Treffen sind (teilweise) als Fortbil­dungsveranstaltungen von der Landespsychotherapeutenkammer anerkannt. Themen und Termine finden Sie auf unserer Website.

Darüber hinaus haben wir im letzten Jahr zwei E-Briefe an Sie verschickt mit viel positiver Resonanz aus der Mitgliedschaft – und wir sehen, dass unser Beispiel Schule macht und auch andere Untergliederungen des BDP diesen Weg der unkomplizierten Mitgliederinfor­mation wählen.


2. Landespsychotherapeutenkammer und Wahlen zur Vertreterversammlung: Ergebnisse und nächste Schritte

Mit der Liste „Kompetenz und Vielfalt“ (für PP) (siehe auch Website des VPP-Landesfach­verbandes) sind wir wieder zur Kammerwahl angetreten und 2009 erstmals auch mit einer weiteren Liste für Psychologi­sche Psychotherapeuten in Ausbildung („Kompetenz und Vielfalt – für PiA“). Es war uns be­reits in der Gründungsphase der Landespsychotherapeutenkammer ein wichtiges Anliegen, dass auch unser Nachwuchs in die Kammerarbeit einbezogen und beteiligt wird.

Damals war dies aufgrund des Heilberufekammergesetzes BW noch nicht möglich. Inzwi­schen wurde das Gesetz geändert und bei der Kammerwahl 2009 konnten zum ersten Mal auch PiA wählen und gewählt werden. – Und Kerstin Lutz, die als PiA für den BDP kandierte, wurde gewählt – worüber wir uns alle sehr freuen!

Der BDP ist damit in der Vertreterversammlung wieder mit drei Sitzen vertreten (Kerstin Lutz, Elisabeth Noeske und Ute Steglich).

Auf der konstituierenden Vertreterversammlung am 30. Januar 2010 in Stuttgart wurden der neue Vorstand der Kammer und die Mitglieder der verschiedenen Ausschüsse gewählt. Fol­gende BDP-Vertreter/innen arbeiten in Ausschüssen mit:

Ute Steglich (Haushaltsausschuss), Jochen Stien (Berufsordnungsausschuss), Kerstin Lutz (Ausschuss Aus-, Fort- und Weiterbildung), Vasco Dos Santos (Ausschuss Qualitätssiche­rung), Thomas Müller-Staffelstein (Ausschuss Ambulante Versorgung) und Elisabeth Noeske (Ausschuss Psychotherapie in Institutionen).

Kerstin Lutz (PiA-Vertreterin) wurde als BDP-Vertreterin in die Bundesdelegiertenversamm­lung gewählt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Landespsychotherapeutenkammer.

 
3. Gestatten: Die Delegiertenkonferenz – Vorstandsmitglied Michael Ziegelmayer (DK-Vorstand) über die Legislative im BDP

Die Dele­gier­ten­kon­fe­renz des Ver­ban­des ist zwar „nur“ das ent­schei­den­de be­schluss­fas­sen­de Or­gan des Ver­ban­des auf Bun­des­ebe­ne, da­her könn­te man mei­nen, dass ihre Ar­beit re­la­tiv weit von den kon­kre­ten The­men der Lan­des­grup­pe ent­fernt liegt. Ge­ra­de das ver­gan­ge­ne Jahr hat je­doch ge­zeigt, dass es hier sehr enge Be­rüh­rungs­punk­te gibt, und dass die Ar­beit der Delegiertenkonferenz (kurz: DK) für die Lan­des­grup­pe von gro­ßer Be­deu­tung ist.

Er­ster und au­gen­fäl­lig­ster Punkt da­bei ist der schon län­ger zu­rück­lie­gen­de Be­schluss der DK, dass der Ver­band ein­mal jähr­lich ei­nen Be­richt zu ei­nem ge­sell­schaft­lich re­le­van­ten psy­cho­lo­gi­schen The­ma her­aus­gibt. 2009 er­schien der drit­te Be­richt die­ser Art zum The­ma Fa­mi­li­en­psy­cho­lo­gie und die­ser Band lie­fer­te den in­halt­li­chen Rah­men für ei­nen sehr gut be­such­ten Lan­de­spsy­cho­lo­gen­tag un­ter dem The­ma „Fa­mi­lie heu­te“ im Juni in Stutt­gart – ein sehr gu­tes Bei­spiel für eine Sy­ner­gie zwi­schen den ver­schie­de­nen Ebe­nen des Ver­ban­des.

Ein enger thematischer Austausch zwischen Landesgruppe und DK

Ein wei­te­res Bei­spiel für die gute Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Lan­des- und Bun­des­ebe­ne im Ver­band un­ter Ein­schluss der DK ist die Pro­ble­ma­tik der In­klu­si­on von be­hin­der­ten Kin­dern in der Re­gel­schu­le. In Ba­den-Würt­tem­berg gab es da ein be­son­ders ekla­tan­tes Bei­spiel für ei­nen Ver­stoß ge­gen die­ses Prin­zip, zu dem auch die Lan­des­grup­pe sehr deut­lich Stel­lung ge­nom­men hat. (Nä­he­res enthält Bei­trag der Kol­le­gin Noes­ke in die­sem E-Brief). Dank ei­ner In­itia­ti­ve auf der DK 1/ 2009 hat die DK die­ses The­ma auf­ge­grif­fen und im Zu­sam­men­hang mit der kürz­lich er­folg­ten Ra­ti­fi­zie­rung der ent­spre­chen­den UN-Kon­ven­ti­on auch auf Bun­des­ebe­ne noch ein­mal auf das The­ma auf­merk­sam ge­macht. Wei­te­re Ak­ti­vi­tä­ten auch auf Bun­des­ebe­ne sind ge­plant. Nä­he­re Ein­zel­hei­ten finden Sie im oben ge­nann­ten Bei­trag.

Wei­te­re The­men, mit de­nen die DK sich in 2009 be­schäf­tig hat und die so­wohl auf Bun­des- wie auf Lan­des­ebe­ne von be­son­de­rer Be­deu­tung sind, sind die durch das For­schungs­gut­ach­ten des Bun­des­ge­sund­heits­mi­ni­ste­ri­ums an­ge­sto­ße­ne Fra­ge der No­vel­lie­rung des Psy­cho­the­ra­peuten­ge­set­zes, die Fra­ge der Füh­rung der Be­rufs­be­zeich­nung Psy­cho­lo­gin/ Psy­cho­lo­ge, nach­dem seit kur­zem die er­sten Ba­che­lor-Psy­cho­lo­gIn­nen auf dem Ar­beits­markt er­schei­nen und die Er­ar­bei­tung von Wahl­prüf­stei­nen im Zu­sam­men­hang mit der Bun­des­tags­wahl 2009.

Ins­be­son­de­re zu letz­te­rem Punkt gab es ja auch im Lan­de eine Rei­he in­ter­es­san­ter Kon­tak­te mit Kan­di­da­tIn­nen der Par­tei­en, über die Sie auf der Web­si­te der Lan­des­grup­pe in­for­miert wur­den.

Berufspolitik auf höchster Ebene

Die Fra­ge der Be­rufs­be­zei­chung und vor al­lem die der Be­ruf­sper­spek­ti­ven der jun­gen Kol­le­gIn­nen, die mit ei­nem Ba­che­lor-Ab­schluss die Uni­ver­si­tä­ten ver­las­sen, ist ein wei­te­res The­ma, das in ei­nem Lan­de mit ins­ge­samt fünf psy­cho­lo­gi­schen Uni­ver­si­täts­in­sti­tu­ten und weit­ren Hoch­schul- bzw. Fach­hoch­schul­aus­bil­dungen im psy­cho­lo­gi­schen Be­reich na­tür­lich von be­son­de­rer Bedeu­tung ist. Ne­ben den Ab­sol­ven­ten der Psy­cho­lo­gie-Ba­che­lor-Stu­di­en­gän­ge wird es in Zu­kunft eine Viel­zahl von Ab­sol­ven­ten un­ter­schied­lich­ster Ma­ster­stu­di­en­gän­ge ge­ben, die Psy­cho­lo­gie in der Be­zeich­nung füh­ren (wol­len), bei de­nen je­doch bis­her nur teil­wei­se klar ist, wel­chen An­teil die psy­cho­lo­gi­schen Lernin­hal­te wäh­rend des Stu­di­ums um­fas­sen. Psy­cho­lo­ge/-in in der Be­rufs­be­zeich­nung zu füh­ren, ist für Ab­sol­ven­tIn­nen un­ter­schied­lich­ster Stu­di­engän­ge of­fen­bar ein sehr at­trak­ti­ves Ziel.

Die DK hat mit ih­rer Be­schluss­fas­sung zu die­sem The­ma die De­fi­ni­ti­ons­macht ge­nutzt, die dem Ver­band sei­tens der Recht­spre­chung und der Po­li­tik als we­sent­li­cher In­ter­es­sen­ver­tre­tung der Psy­cho­lo­gIn­nen un­ter­schied­lich­ster fach­li­cher Aus­rich­tung zu­ge­stan­den wur­de. Sie legt für den Ver­band ein dif­fe­ren­zier­tes Ra­ster von Be­rufs­be­zeich­nun­gen vor, das es so­wohl Fach­leu­ten als auch der in­ter­es­sier­ten Öf­fent­lich­keit er­mög­licht, die un­ter­schied­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­ons­ni­veaus, die es bei Psy­cho­lo­gIn­nen in Zu­kunft ge­ben wird, von­ein­an­der zu un­ter­schei­den.

Dies dürf­te für Ba­den-Würt­tem­berg von be­son­de­rem In­ter­es­se sein, da das Recht des Ver­ban­des zu de­fi­nie­ren, wer die Be­rufs­be­zeich­nung Psy­cho­lo­gin/-e füh­ren darf, erst kürz­lich in ei­nem Rechts­streit mit ei­ner pri­va­ten Hoch­schu­le in Ba­den-Würt­tem­berg, die ei­nen Ba­che­lor im Be­reich Wirt­schaft­spsy­cho­lo­gie an­bie­tet, be­stä­tigt wur­de.

Auch die be­vor­ste­hen­de No­vel­lie­rung des Psy­cho­the­ra­peuten­ge­set­zes ist ein The­ma, mit dem die DK sich zen­tral be­fasst, das er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die be­ruf­li­che und Aus­bil­dungs­si­tua­ti­on in Ba­den-Würt­tem­berg ha­ben wird.  Al­lein die Fra­ge, ob es bei der bis­he­ri­gen Vor­aus­set­zung ei­nes fünf­jäh­ri­gen Stu­di­ums der Psy­cho­lo­gie für die Auf­nah­me in die Psy­cho­thera­peu­ten­aus­bil­dung bleibt oder nicht, hat weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen nicht nur auf die zu­künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen von Psy­cho­the­ra­peu­tIn­nen, son­dern auf alle psy­cho­lo­gi­schen Be­rufs­be­rei­che, da hier ein Stan­dard ge­setzt wer­den wird, der auf die Aus­bil­dungs­stan­dards in den üb­ri­gen An­wen­dungs­be­rei­chen sehr wahr­schein­lich er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen ha­ben wird.

Wahlen der Landesgruppen-Delegierten für die Periode 2011 – 2013

Sie se­hen – die DK ist mit ih­rer Ar­beit nicht so ­weit von den kon­kre­ten Auf­ga­ben der Lan­des­grup­pe ent­fernt und bis An­fang 2011 wer­den auch in der Lan­des­grup­pe Baden-Württemberg neue De­le­gier­te für die DK ge­wählt – wenn Sie in­ter­es­siert sind, wen­den Sie sich an den Vor­stand der Lan­des­grup­pe oder auch un­mit­tel­bar an den DK-Vor­stand.


4. Vorstandsmitglied Elisabeth Noeske berichtet von ihren Projekten in der Sektion Klinische Psychologie

Elisabeth Noeske ist nicht nur Mitglied im Landesgruppenvorstand, sondern auch Beisitzerin im Vorstand der Sektion Klinische Psychologie.

Über einige aktuelle Projekte berichten wir in diesem E-Brief. Es han­delt sich dabei um

  • das Eintreten für muttersprachliche Therapie,
  • die Mitarbeit in einem Konsensus-Prozess und
  • Inklusion.

4.1 Muttersprachliche Therapie

Die Sektion Klinische Psychologie setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund überall in Deutschland die aus medizinischen Gründen erforderliche mut­tersprachliche  Psychotherapie erhalten können.

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es für Menschen die die deutsche Sprache nicht oder kaum beherrschen keine ausreichende und qualitativ gesicherte muttersprachliche psy­chotherapeutische Versorgung. Dieses Manko trifft Menschen mit Migrations- und Flucht­hintergrund besonders hart. Von dieser Problematik sind alle Menschen mit Migrationshin­tergrund  betroffen – auch beitragszahlende Versicherte.

Sowohl unter dem Aspekt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist (wenn auch mit be­grenztem Kontingent) und unter Berücksichtigung, dass Deutschland die Flüchtlingskonven­tion unterzeichnet hat, was mit der Verpflichtung zur Aufnahme von traumatisierten Men­schen aus Kriegs- und Krisengebieten einhergeht, ist eine solche Situation nicht länger trag­bar.

Bei der Ablehnung von Anträgen auf muttersprachliche Therapie verweisen die Krankenver­sicherungen gegebenenfalls auf mehrere ablehnende Entscheidungen des Bundessozialge­richts und rund ein Dutzend unterinstanzliche Urteile. Die Gerichte begründeten ihre Ableh­nung vorrangig damit, Deutsch sei in Deutschland Amtssprache. Diese Argumentation über­zeugt schon deshalb nicht, weil im Sozialrecht die Amtssprache nur für das Verwaltungsver­fahren, nicht aber für das Behandler-Therapeut-Verhältnis relevant ist. Vor allem ist die Be­hauptung, die Sprachkompetenz sei Nebenleistung der Behandlung, für den Bereich der Psychotherapie in keiner Weise nachvollziehbar. Hier ist die Kommunikation ja gerade nicht Nebensache, sondern eine Grundvoraussetzung und damit Hauptsache der Behandlung.

Sicherlich argumentieren die Gerichte zu Recht damit, dass eine psychotherapeutische Be­handlung nicht generell lediglich in der jeweiligen Muttersprache des/r PatientIn sinnvoll durchgeführt werden kann, denn zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund sind in Deutschland kulturell und sprachlich integriert. In der Regel muss über eine mögliche sprachliche Barriere hinaus die Besonderheit des jeweiligen kulturellen Hintergrundes des/r PatientIn beachtet werden. So sind vom/von der Therapeutin auch spezifische ethnische Kompetenzen zu fordern und seine/ihre Geschlechtszugehörigkeit im Bezug zum Patienten ist zu berücksichtigen. Dennoch kann der Folgerung der Gerichte, dem Aspekt der Sprach­kenntnisse sei eher nachrangige Bedeutung zuzumessen, nicht gefolgt werden. Die Sozial­rechtlerin Frau Prof. Ulrike Davy kritisiert denn auch das BSG-Urteil vom 06.02.2008: „Erfor­derlichkeit ausländischer Sprachkenntnisse eines Psychotherapeuten für eine Ermächtigung - Gewährleistung der Verständigung in nichtdeutscher Muttersprache als Leistung der GKV“, in: Die Sozialgerichtsbarkeit 2009, 296 - 298).

Die Sektion Klinische Psychologie im BDP hat sich in dieser Angelegenheit mit den Partner­sektionen im BDP, die ebenfalls mit der genannten Problematik befasst sind sowie mit dem Hauptverband in Verbindung gesetzt. Gemeinsam mit anderen Verbänden soll eine Petition an den "Petitionsausschuss" des Deutschen Bundestages verfasst und eingereicht werden. Wir hoffen, genügend Unterstützer zu finden, die sich mit ihrer Unterschrift beteiligen. Auf diese Weise wollen wir erreichen, dass ein Gesetzesentwurf in den Deutschen Bundestag eingebracht wird und es zu einer Problemlösung durch Änderung des Sozialgesetzbuches V kommt. 

4.2 Mitwirkung am Konsensus-Prozess

Im Auftrag des BDP beteiligt sich die Vorstandskollegin Noeske am Konsensus-Prozess „Psychosoziale Therapien bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen“.

Auf der ersten Konsensus-Konferenz zur Erarbeitung von S3-Leitlinien „Psychosoziale The­rapien bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen“ am 07.12.2009 konnten un­ter großer Beteiligung der unterschiedlichsten Verbände, von Betroffenen und Angehörigen psychisch erkrankter Menschen erste Ergebnisse aus dem laufenden Konsensus-Prozess 2009/2010 konsensual verabschiedet werden. Vor allem zum Thema „Akutbehandlung im häuslichen Umfeld“ wurde ein erfolgreicher Zwischenschritt erreicht. Eine weitere Ausdiffe­renzierung der bisherigen Resultate erfolgt in den kommenden Monaten. Wegen des Um­fangs der Aufgabe wurde für März 2010 ein zusätzliches Treffen vereinbart, um dann in einer abschließenden Konsensus-Konferenz am 17.06.2010 die letzten umfangreichen Empfeh­lungspunkte im Konsens verabschieden zu können.

4.3 Inklusion

„Es ist normal, verschieden zu sein“ (Richard VON WEIZSÄCKER)

Ein wesentliche Zielrichtung im Aufgabenbereich „Inklusion“ liegt für die Sektion Klinische Psy­chologie in dem Bemühen, eine Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen dahingehend zu erreichen, dass Menschen mit Behinderung die Unterstützung und Hilfe erhalten, die sie für eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen unserer Gesellschaft benötigen. Men­schen mit Behinderung dürfen nicht lediglich in unsere Gesellschaft „hereingeholt“ (integriert) oder es ihnen ermöglicht werden, an den Angeboten unserer Gesellschaft „teilzuhaben“. Gemäß dem Konzept der Inklusion arbeiten wir an einer gänzlich neuen Qualität bezüglich des Miteinanders, der Pädagogik und der Infrastruktur kultureller und anderer Lebensräume.

Wir wollen mit unserer Forderung nach „Inklusion“ aber nicht bei den Menschen mit Behinde­rung halt machen, sondern beziehen in unser Denken und in unsere Bemühungen insgesamt die Komplexität und Heterogenität unserer Gesellschaft mit ein. So benötigen nicht nur Men­schen mit Behinderung sondern auch solche anderer ethnischer Herkunft und Menschen, die mit anderen Kriterien gesellschaftlicher Minderheiten stigmatisiert werden, in allen Bereichen unserer Gesellschaft ein ihnen gemäßes Angebot zur gleichberechtigten Teilhabe.

Insofern setzen wir von der Sektion Klinische Psychologie uns dafür ein, dass in allen Bevöl­kerungsschichten eine zunehmende Bereitschaft entsteht, unsere gesellschaftlichen Struktu­ren und Auffassungen zu hinterfragen und dahingehend zu verändern, dass Unterschiedlich­keit zur Normalität wird. Dazu wollen wir alle Aspekte der Heterogenität von Gruppen und die Vielfalt von Personen insgesamt in den Blick nehmen und setzen uns dafür ein, dass jegliches dichotome Denken: Behindert – Nichtbehindert, Ausländer – Deutsche, Alte - Junge etc. in Frage gestellt und dabei jegliche Diskriminierung und Marginalisierung abgebaut wird.

Wir rufen alle KollegInnen, alle Multiplikatoren und die, die im öffentlichen Bereich und an­derswo Verantwortung tragen, auf, sich mit uns für die Schaffung einer wirklich „inklusiven Ge­sellschaft“ einzusetzen.


5. Ein Ausblick: Die Pläne der Landesgruppe 2010

Bevor im Juli die Wahlen eines neuen Vorstandes anstehen, haben wir uns noch ein an­spruchsvolles Programm zusammengestellt – wir hoffen auf rege Teilnahme!


5.1  Existenzgründungstag

Wir freuen uns über eine Veranstaltung der Deutschen Psychologen Akademie (DPA) des BDP im Südwesten! Am 13. März 2010 findet in Stuttgart (im Hotel Commundo, ehemals Tagungshotel der Telekom in Stuttgart-Vaihingen) ein Existenzgründungstag statt.

Den Flyer dazu finden Sie im Anhang des E-Briefes.

Die Landesgruppe hat die Schirmherrschaft inne und wird den Tag organisatorisch und in­haltlich unterstützen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website zum 3. Existenzgründungs- und Existenz­sicherungstag „Erfolgreich selbständig“. Den Flyer können Sie hier herunterladen.

 
5.2  Landespsychologentag 2010

Am 10. Juli findet der nächste Landespsychologentag statt.

Als Ort haben wir uns wieder für das SpOrt in Stuttgart-Bad Cannstatt entschieden.

Seien Sie unbesorgt: Es wird nicht ein drittes Mal gleichzeitig der Stuttgarter Zeitungslauf stattfinden – der ist für den 19./20. Juni angesetzt. Und es ist zwar WM-Zeit, aber frühestens um 20:30 Uhr treten die Deutschen Kicker auf dem südafrikanischen Rasen an.

Zurück zum Landespsychologentag:

Er wird sich um Krisen verschiedenster Art, ihre Auswirkungen sowie Hilfsangebote aus psy­chologischer Sicht drehen. Der Titel steht noch nicht fest, aber die Suche nach Referentin­nen und Referenten hat schon begonnen.

Haben Sie Idee oder Vorschläge, welche Aspekte an diesem Tag von Interesse sein könn­ten? Teilen Sie sie uns per E-mail mit!


5.3  Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen

Im Anschluss an den Landespsychologentag ist eine Mitgliederversammlung mit Wahlen des Vorstands vorgesehen.

Die Einladung folgt.

Durch das Ausscheiden von Vorstandskollegen werden wieder Plätze im Vorstand frei. Wir freuen uns über Ihr Interesse an einer Mitarbeit! Fragen beantworten wir gerne – Kontaktda­ten finden Sie untenstehend.

 
6. Anfrage des Landessportbundes bei der Landesgruppe: Mitwirkung an einem Projekt zur Betrieblichen Gesundheitsförderung im Rahmen der „Nachhaltig­keitsstrategie Baden-Württemberg“

Im Rahmen des Nachhaltigkeitskonzeptes, das von der Landesregierung verfolgt wird (siehe dazu die Website der Landesregierung), betreibt der Württembergi­sche Landessportbund ein Modellprojekt zur Vernetzung von Sportverei­nen und kleinen und mittleren Unternehmen im Handlungsfeld „Betriebliche Ge­sundheitsförderung“. Hierbei wird vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen das Thema stärker in den Fokus gerückt, und es sollen den Betrieben die praktischen Möglich­keiten der betrieblichen Gesundheitsförderung vermittelt werden.

In einem ersten Schritt sollen Modellprojekte in Kooperation mit den örtlichen Sportvereinen in den Regionen Oberschwaben und Böblingen / Sindelfingen durchgeführt werden.

Federführend in diesen Projekten sind neben dem WLSB örtliche Sportvereine, d.h. der MTV Wangen, der SV Böblingen und der VfL Sindelfingen. Im Rahmen des Projekts sollen auch Unterrichts- / Seminareinheiten zum Thema „Psychosoziale Belastungen“ angeboten wer­den. Für diese Seminareinheiten sucht der WLSB stellvertretend für die genannten Sportver­eine ExpertInnen aus den angesprochenen Regionen, die bereit und in der Lage sind, für MitarbeiterInnen der angesprochenen Unternehmen das Thema psychosoziale Belastung – Hintergründe, Ursachen und Umgang mit denselben – darzustellen und praxisnah zu ver­mitteln.

Wenn Sie in einer der angesprochenen Regionen oder nahebei ansässig sind, Erfahrung im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung haben und an einer Mitarbeit in diesem Projekt interessiert sind, schicken Sie bitte eine kurze Email an den Kollegen Michael Zie­gelmayer im Vorstand der Landesgruppe.


7. Veröffentlichungen von Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförde­rung (BVPG) und Robert-Koch-Institut (RKI)

Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. (BVPG), in deren Ar­beitsgruppe 2 („Betriebliche Gesundheitsförderung“) auch der BDP vertreten ist, hat im De­zember ein Positionspapier "Potential Gesundheit. Empfehlungen der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) zur Weiterentwicklung von Gesund­heitsförderung und Prävention in der 17. Legislaturperiode" veröffentlicht.

Die darin enthaltenen sechs Empfehlungen, gerichtet an die verantwortlichen Politiker, ver­leiht u. a. der Überzeugung Ausdruck, dass Gesundheit vielmehr als volkswirtschaftlich er­giebiges Potenzial denn als Kostenfaktor betrachtet werden müsse.

Das Positionspapier kann auf der Website der BVPG heruntergeladen wer­den.

Ebenfalls einen Hinweis wert erscheint uns das 48. Heft der Gesundheitsberichterstattung (GBE) des Robert-Koch-Instituts mit dem Titel „Krankheitskosten“. Im Zentrum steht die Frage, welche Krankheit beim wem in welcher Einrichtung des Gesundheitswesens welche Kosten verursacht. Betrachtet wird dabei das Jahr 2006.

Das GBE-Heft 48 "Krankheitskosten" kann schriftlich kostenlos bestellt werden (Robert Koch-Institut, GBE, General-Pape-Straße 62, 12101 Berlin, E-Mail: gbe@rki.de, Fax: 030-18754-3513), und es ist abrufbar im Internet.

 
8. Aufruf des ZPID zur Teilnahme an Online-Befragung

Das Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) führt zur Verbesserung seines Service- und Dienstleistungsangebots eine Online-Umfrage zur Nut­zerzufriedenheit durch. Die Umfrage beinhaltet Fragen zu Bekanntheit, Bewertung und Ver­besserung seiner Produkte und Dienste. Alle Teilnehmer sollten zumindest mit einem Pro­dukt des ZPID schon einmal in Berührung gekommen sein.

Der Aufwand beläuft sich auf maximal 10 - 15 Minuten. Unter allen Teilnehmern verlost das ZPID als Hauptpreis einen Apple iPod touch der 3.Generation sowie drei USB-Sticks mit 16 GB Speichervolumen.

Die Ergebnisse dienen der Optimierung der Serviceangebote des ZPID. Bitte nehmen Sie sich kurz dafür Zeit.

Hier geht' s zur Umfrage.


9. Termine und Hinweise

Ausführliche und stets die aktuellsten Termine finden Sie unter dem Menüpunkt „Aktuelles“ auf unserer Website (Link).


10. April Treffen des erweiterten Landesgruppen-Vorstands, Ort: Stuttgart

Stammtisch in Freiburg

Freiburger PsychologInnen treffen sich i.d.R. an jedem zweiten Dienstag des Monats zu einem Stammtisch. Neben dem kollegialen Austausch informieren sich KollegInnen gegenseitig oder lassen sich zu spezifischen Fragen von externen Fachleuten beraten. Es sind schon wieder viele spannende Themen projektiert.

Ansprechpartnerin ist Elisabeth Noeske (E-mail)
17. März,
5. Mai,
30. Juni,
29. September,
24. November
Stammtisch Nordbaden

Treffpunkt sind abwechselnd Praxisräume sowie die Gaststätte „Zum Dammerstock", Nürnberger Straße 1, 76199 Karlsruhe.

Beginn: 19:30 Uhr.

Ihr Ansprechpartner ist Wolfgang Reule (E-mail).
10. Februar,
29. April,
7. Juli
Regionalgruppe Rems-Murr

Die Stammtisch-Treffen finden an verschiedenen Orten in Schorndorf statt. Themen und Treffpunkt finden Sie hier.

Sprechen Sie bei Interesse Sigrun Koch an (E-mail).
13. März "Erfolgreich selbständig. 3. Existenzgründungs- und Existenzsicherungstag" der DPA in Stuttgart.
8./9. Mai Delegiertenkonferenz 1/2010 in Berlin
10. Juli
Landespsychologentag und Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen in Stuttgart