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Die Mobbing-Hotline Baden-Württemberg

Die Mobbing-Hotline Baden-Württemberg – voll auf Kurs

Nach ihrem Start im Sommer vergangenen Jahres hat die Mobbing-Hotline Baden-Württemberg inzwischen eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Ca. 4.500 Anrufe in knapp neun Monaten belegen, wie groß der Bedarf an entsprechender Beratung auf dem möglichst einfachen und kurzen Weg ist.

Für ca. 500 der durchgeführten Beratungen liegt inzwischen eine ausführlichere Dokumentation vor. Sie zeigt, dass die Mobbing-Hotline in der Regel in einer vergleichsweise frühen Phase der Mobbingaktivitäten kontaktiert wird, wo Interventionen noch eine Chance auf Veränderung und Verbesserung der Situation für die Betroffenen haben. Der Kontakt wird nach Auskunft erfahrener Mobbingberater offenbar schneller über das Telefon gesucht als über das persönliche Gespräch.

Nachdem erste Daten im vergangenen Jahr noch nahe legten, dass die Häufigkeit des Kontaktes zur Mobbing-Hotline verstärkt in der Gruppe der jungen Erwachsenen und der Älteren, ab ca. 45, zu finden waren, sprechen die Daten inzwischen eine sehr eindeutige Sprache – der altersmäßige Schwerpunkt der Mobbing-Betroffenen liegt jenseits der 45, knapp 47 % der Beratenen haben diese Altersgrenze überschritten.        
Die Häufigkeit der erlebten Mobbinghandlungen ist relativ hoch – in ca. 2/3 aller Fälle traten Mobbinghandlungen täglich oder mehrfach pro Woche auf. Die meisten Beratenen befanden sich nach Einschätzung der Berater in Phase I oder II des Mobbingprozesses, so dass hier berechtigte Hoffnungen auf eine Veränderung besteht, ab Phase III wird dies von den meisten Fachleuten als kritisch gesehen, dann hilft meist nur noch die Trennung.

Besonders alarmierend sind die mitgeteilten Auswirkungen des Mobbingprozesses – ca. 45 % der Beratenen teilten mit, dass sie sich wegen des Mobbings bereits einmal oder mehrmals hätten krank schreiben lassen, knapp 20 % davon für mehr als sechs Wochen. Zwischen 30 und 60 % der Betroffenen berichten darüber hinaus von massiven psychischen Beeinträchtigungen und Einschränkungen ihrer Leistungsfähigkeit.

Alle diese Ergebnisse befinden sich in weitgehender Übereinstimmung mit den Daten des Mobbingreports von 2005. In einem Punkt liefern die Daten jedoch ein noch negativeres Bild als der seinerzeitige Mobbingreport. In 2/3 aller geschilderten Mobbingfälle waren Vorgesetzte aktiv am Mobbing beteiligt. Diese Zahl verschärft die bisher aufgestellte These, dass Mobbing ohne Mitwirkung der Vorgesetzten, zumindest durch ihre fehlende Aufmerksamkeit nicht möglich ist, noch einmal sehr deutlich – Mobbing scheint sich fast zur täglichen Führungspraxis in den Unternehmen entwickelt zu haben.

Die nächsten Ziele

Die Mobbing-Hotline hat sich deshalb zwei Ziele gesetzt:

  • Verstärkter Ausbau der Mobbing-Hotline durch Einrichtung weiterer Mobbingtelefone.        
Vor allem im Nordosten von Baden-Württemberg, in Nordbaden und Nordwürttemberg fehlen noch MobbingberaterInnen und Mobbingtelefone, um ein flächendeckendes Netz zu bilden, innerhalb dessen über die telefonische Akutintervention auch eine persönliche Beratung vor Ort möglich ist. Eine kleine Lücke besteht auch noch im mittelbadischen Bereich.

  • Auf- und Ausbau von Fortbildungsangeboten für Experten und Führungskräfte.        
Nachdem die Fachtagung der Mobbing-Hotline im vergangenen Jahr eine sehr gute Resonanz erlebt hat, werden die Fortbildungsangebote in diesem Jahr in zwei Richtungen fortgesetzt. Zum einen richtet sich ein Angebot an PsychologInnen, Psychotherapeutinnen und ÄrztInnen, die mit Mobbing-Betroffenen in ihren Praxen zu tun haben. Hier geht es zum einen um die Frage einer genauen und gezielten Diagnostik der Mobbingsituation und zum anderen um die Frage der Interventionsmöglichkeiten von PsychotherapeutInnen und ÄrztInnen. Denn Mobbing-Betroffenen kann mit einer Behandlung, die sich auf die psychischen und / oder körperlichen Symptome konzentriert, nicht wirklich geholfen werden.

Ein zweites Fortbildungsangebot wird in Zusammenarbeit mit den Organisationen der Wirtschaft und des Öffentlichen Dienstes entwickelt. Hier geht es darum, die Bedeutung und den Aufbau einer konstruktiven Konfliktkultur in Unternehmen und Organisationen hervorzuheben und den Teilnehmern praktische Fähigkeiten in diesem Bereich zu vermitteln, denn die Führungskräfte in den Unternehmen und Organisationen sind diejenigen, die es am ehesten in der Hand haben, wirksam gegen diese besorgniserregende und kostenverursachende Entwicklung vorzugehen. In ihrem Tätigkeits- und Aufgabenbereich spielen sich die Mobbinghandlungen ab und sie sind auch die ersten, die in Form von vermindertem Führungsaufwand, verbesserter Leistung und verbessertem Betriebsklima davon profitieren.

Für Sie als PsychologInnen und/ oder PsychotherapeutInnen gibt es zwei Möglichkeiten der Mitwirkung im Rahmen der Netzwerke der Mobbing-Hotline:

a) Sie melden sich als Experte/-in zur intensiveren Beratung, ggf. Psychotherapie von Mobbing-Betroffenen. Dann schicken Sie Ihre Daten und eine kurze Darstellung von sich und Ihren Arbeitsschwerpunkten an Michael Ziegelmayer (E-mail an Michael Ziegelmayer).

Sollten Sie Ihre eigenen Kenntnisse im Bereich Mobbing als nicht ausreichend für eine entsprechende Beratung / Psychotherapie einschätzen, so haben Sie die Möglichkeit, auf der Fachtagung im Sommer das notwendige Know-How und Hintergrundwissen zu erwerben. Die Fachtagung für PsychologInnen, PsychotherapeutInnen und ÄrztInnen findet am 10. Juli 2009 von 9:00-18:00 Uhr in der Rehaklinik Glotterbad statt.

b) Sie haben als PsychologIn / PsychotherapeutIn bereits Erfahrung im Umgang mit Mobbing und in der Supervision – dann sind wir sehr daran interessiert, von Ihnen zu hören, denn für die ehrenamtlichen BeraterInnen an den Mobbingtelefonen suchen wir nach qualifizierten KollegInnen, die diese wichtigen MitarbeiterInnen durch eine regelmäßige Supervision unterstützen. Auch hier bittet die Landesgruppe um eine kurze Information an den Kollegen Michael Ziegelmayer (E-mail an Michael Ziegelmayer).

Michael Ziegelmayer, 23. Februar 2009


Hier geht' s zur Website der Mobbing-Hotline.
Einen Bericht zur Fachtagung der Mobbing-Hotline am 14. Juli 2008 finden Sie hier.